Heute möchte ich euch „Die Gabe des Himmels“ von Daniel Wolf vorstellen. Das Buch bildet den vierten Teil einer Reihe rund um die Familie Fleury.

Ort des Geschehens ist Varennes Saint-Jaques Mitte des 14. Jahrhunderts – Heimatstadt der besagten Familie. Als Leser der Reihe lernen wir in den vorhergehenden Teilen bereits die Geschichte der Stadt und der Vorfahren der Protagonisten kennen.
Man sollte meinen die Themen Pest und Judenhass wären langsam „ausgelutscht“ – wieso also im Jahr 2018 ein Buch auf den Markt bringen, das genau diese Themen aufgreift. Doch Daniel Wolf versteht es, beide Bereiche aus neuen Perspektiven zu beleuchten und mittlerweile allseitsbekannte Informationen kurz zu halten. Spannend ist hingegen der Blickwinkel. Die Juden werden nicht als „die Anderen“ dargestellt, sondern immer wieder ins Zentrum gerückt, sodass es möglich ist, sich mit ihnen zu identifizieren. Genährt wird der Hass durch eine Flagellantenbewegung, die den Juden die Schuld an der Pest gibt.
Auch der Blickwinkel auf die Pestproblematik zieht den Leser in die Geschichte hinein: Der Protagonist und Wundarzt Adrianus sucht verzweifelt nach einer Heilung der Seuche. Als Leser wissen wir, wie und warum sich die Pest in Europa ausbreiten konnte. Doch Adrianus weiß es nicht, und ist man als Leser erst einmal drin im mittelalterlichen Denkmuster, erscheinen einem winzige Bakterien plötzlich auch sehr weit hergeholt. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass Gott die Menschheit für ihre Sünden Strafen will, oder? 😉 Die Jüdin und Apothekerin Léa steht Adrianus beim Kampf gegen die Pest bei. Natürlich überwindet dieser seine anfängliche Scheu gegenüber Frauen und lässt sich auf eine Beziehung mit ihr ein. Dass eine Beziehung zwischen einem Christen und einer Jüdin in einer vom Judenhass geplagten Stadt problematisch ist, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und der Achtung des Gesetzes bildet diese Beziehung den dritten Hauptpfeiler der Handlung.

Daniel Wolf schafft es, das Mittelalter – oder das, was wir darüber zu wissen glauben – lebendig werden zu lassen. On top: super Recherche!

Amelie, 03.07.2018